Freitag, 22. Februar 2013

Sonnenglaster




Autor: Oliver Jungwirth
Original: Sonnenglaster (2013)
Meine Bewertung: 4 von 5


Als René an diesem Tag aufwacht, beginnt der Alptraum seines Lebens. Es fängt damit an, dass es nicht sein Bett ist, in dem er liegt. Damit, dass er die Frau nicht kennt, die im Bad duscht. Und damit, dass er keine Ahnung hat, was am Vortag passiert ist. Nicht einmal sein Kopf fühlt sich an, als wäre es sein eigener. Was an sich schon Grund zur Sorge wäre, wächst sich schnell zu einem echten Problem aus. Denn Renés Alptraum hat längst noch nicht seinen Höhepunkt erreicht. Er verabschiedet sich hastig von der gar nicht mal so hässlichen Bekanntschaft, orientiert sich, fährt nach Hause in seine Wohnung.
Auch dort trägt wenig dazu bei, den Nebel um die vergangene Nacht zu lichten. Im Gegenteil, alles wird noch surrealer, als sein Mitbewohner Georg ihm die Zeitung vor die Nase hält. Uschi, Renés Exfreundin, wurde tot aufgefunden. Mit herausgerissenem Herz in einer Mülltonne. Hatte ihr einst René nicht gewünscht, dass genau das passieren sollte? Dass ihr jemand das Herz herausreißen möge, so, wie sie es mit ihm gemacht hat? Aber er hatte es doch nicht so gemeint... nicht so... physisch.
Im hintersten Winkel seines Hirns scheint sich etwas zu regen, doch noch kommt es nicht an die Oberfläche. René ist verzweifelt, denn irgendetwas stimmt hier ganz und gar nicht. Er such Zuflucht in seiner Stammkneipe, wo er sich betrinkt und mehr als unangenehme Bekanntschaft mit einigen von Uschis Freunden, darunter ihrem letzten Exfreund, macht. Renés Welt beginnt zu taumeln und zu schwanken. Nichts von dem, was er für real gehalten hat, scheint Bestand zu haben. Menschen beginnen sich, vor Renés Augen zu verwandeln, mehr als einmal wird er in dieser kurzen Zeit mit dem Tod, viel Blut und seltsamen Wesen konfrontiert.
Als er Susi kennenlernt, scheint sie, einige der Risse, die sein Leben bekommen hat, kitten zu können. Aber auch sie hat ein Geheimnis. Eines, das ihn vielleicht sogar das Leben kosten könnte...
"Sonnenglaster" ist das zweite veröffentlichte Werk des jungen Autors Oliver Jungwirth. Es ist für mich persönlich durchaus ein Überraschungserfolg: das Buch ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite, mitreißend und atemlos. Es kann stilistisch überzeugen und bietet im Subtext mehr, als die Bezeichnung "Werwolfgeschichte" vermuten lässt. Jungwirth nimmt seine Leser auf eine nikotin- und koffeingeschwängerte Reise mit, die abrupt ihr Ende nimmt und einmal mehr Fragen hinterlässt - was in diesem Fall durchaus akzeptabel ist. Wenn Schluss ist, ist Schluss. 
"Sonnenglaster" ist ein Buch, auf das man sich - auch wenn man eigentlich so rein gar nichts mit Werwölfen anfangen kann - durchaus einlassen sollte. Fürs Feeling wär wohl die Lektüre in einem rauchverhangenen Kaffeehaus ganz gut :)
  • Taschenbuch: 396 Seiten
  • Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (28. Januar 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 1480115800
  • ISBN-13: 978-1480115804

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